Einkehrtag mit P. Willi Lambert SJ  (6. - 7. Mai 2006)

Fenster schließen

 In allem - Gott

„In allem – Gott“; so lautet der Titel einer vor kurzem erschienenen Veröffentlichung in der Reihe „Ignatianische Impulse“ (Echter-Verlag).
Es stellt thematisch geordnet eine Fülle von Zitaten von Ignatius von Loyola (1491-1556) vor.

Mit der Formulierung „In allem – Gott“ ist ein grundlegendes Wort der  ignatianischen Spiritualität aufgenommen: „Gott in allem suchen und finden.“ Dieser Botschaft näher zu kommen und sich von ihr berühren zu lassen, ist der Sinn des Einkehrtages.

 1. Impuls „En todo amar y servir – In allem lieben und dienen“ (Ignatius von Loyola)
Dieser Impuls entfaltet hauptsächlich die verschiedenen Dimensionen des Liebens im Sinn der zentralen Meditation des Exerzitienbuches über „die Erlangung der Liebe“, aus der die Bitte der Überschrift stammt.

2. Impuls „Die Kunst des Liebens“ (Erich Fromm)
Die Hinweise dieses Impulses wollen in Anlehnung an den Titel eines Bestsellers von Erich Fromm zeigen, wie die Inkarnation der Liebe in die „Mystik des Alltags“ (K. Rahner) und die Lebensgestaltung aus der Begegnung mit dem Willen Gottes geschieht: Durch Entscheidung und Einübung.
 
 

Einkehrtag


Zu einem „Einkehrtag“ bin ich eingeladen worden. Was ist ein Einkehrtag? Was soll er in der Konzeption des Hauses?
Was bedeutet er für Ihre Gemeinschaft? Was machen Sie ganz persönlich daraus?
Was will Gottes Geist damit für Sie und in Ihnen? 

Die Heilige Schrift bietet eine ganze Reihe von Möglichkeiten an, die sich mit dem Geschehen von „Einkehr“ verbinden lassen.
Sie sind alle Möglichkeiten für Sie. Am Ende der zwei Tage werden Sie sehen, was daraus geworden ist.

Einkehrtag kann bedeuten… 

  • Mit Gott ruhen am siebten Tag und auf das Werk des Alltags schauen

  • Oder hinausgehen in die Nacht und Sterne zählen und an die Zukunft glauben lernen, die Gott schenken will

  • Oder träumen wie Jakob und sich von Engelsbotschaften berühren lassen

  • Oder auch kämpfen wie Jakob, nächtlich, an einem Flußübergang

  • Oder der Einladung Jesu folgen, der sagt: Ihr, die ihr müde, überstreßt, ausgepowert seid, kommt und ruht bei mir aus;
    und lernt von mir

  • Oder wie Nathanael die eigenen Vorurteile Jesus gegenüber korrigieren lassen?

  • Oder sich von Jesus erklären lassen, dass die pastoralen Erfolge – einschließlich Dämonenaustreibung – nicht so
    wichtig sind wie „im Buch des Lebens“ verzeichnet zu sein

  • Oder sich von ihm korrigieren zu lassen durch die Frage: Worüber habt ihr unterwegs miteinander geredet?
    Doch nicht über Eure Position im Himmelsreich?

  • Oder sich wie die Emmausjünger von ihm die schlichten Fragen stellen zu lassen: Worüber redet ihr denn in
    Eurem Herzen? Was ist denn geschehen so wie es wirklich war?

  • Oder in die Kammer gehen, sie schließen und ganz in der Stille des Gebets verweilen

  • Oder auf das Zimmer zu jemandem gehen, um sich – vor der Eucharistie noch – versuchen zu versöhnen?

 Vielleicht wird der Einkehrtag auch zu einem“Auskehrtag“, an dem die Seele entrümpelt, ausgekehrt,
geordnet, gesäubert wird; wobei die Schrift mehr auf die Heiligung durch den Heiligen Geist als auf die bloße
Selbstreinigungskraft vertraut.
 Lassen wir uns überraschend, was aus dieser Zeit der Einkehr wird. Und lassen wir ihn Herr und Fülle der Zeit sein 

Schluß: „Kann man einen Weg lieben?“ – „Die große Eiche“
 

Einleitendes und 1. Impuls "In allem lieben und dienen"


Das Thema dieser Zeit der Einkehr lautet: „In allem – Gott“ und  ist dem Ignatiuswort nahe: „Gott in allem suchen und finden“.
Diese Formulierung ist eine Zusammenfassung ignatianischer Spiritualität. Und somit passt sie in dieses ignatianische Jahr,
in dem wir den 500. Geburtstag von Franz Xaver, von Peter Faber und den 450. Sterbetag von Ignatius feiern.

Und natürlich wird hiermit zugleich der Kern des Evangeliums Jesu Christi berührt, der darin besteht,
 „Gott zu lieben aus ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzer Kraft, ganzem Denken und seinen Nächsten wie sich selbst“.

Der erste Impuls heute nimmt eine fundamentale Bitte von Ignatius aus seiner „Betrachtung zur Erlangung der Liebe“ auf:
„In allem lieben und dienen“
Der zweite Impuls morgen wird von der „Kunst des Liebens“ sprechen, d.h. von der „Mystik des Alltags“
vom „Ausleben der Lieben“ in der Lebensgestaltung.

 Erste Einsichtsgewinnung:
Ignatianische Spiritualität ist eine Spiritualität des Liebes-Dienstes
Nicht eine „unerotisch-asketische Dienst-Spiritualität“, sondern eine Spiritualität des Liebes-Dienstes.
Dafür eine Fülle von Beispielen:

  • „Das Gewicht der Seele ist die Liebe“ (vgl. GEIST UND LEBEN Nr: 4 /2001)

  • Bericht des Pilgers: „Keine Ahnung von Demut, Liebe und Geduld“

  • „Mein Weg“ (mit 53 Jahren erkannt): „liebevolle Ehrfurcht, die ehrfürchtige Liebe“

  • Exerzitien: Die Betrachtung zur Erlangung der Liebe“ (vgl. Cardoner)

  • Discreta caritas – unterscheidende Liebe

  • In allem lieben und dienen – die Bitte

  • Kommunikative Liebe: Die Liebe besteht im Kommunizieren von beiden Seiten

  • Die Konstitutionen: Interna lex caritatis (vgl. Franz Xaver: „Societas amoris“)

  • General: „Wenigstens“ Liebe und Klugheit soll er haben

  • Pastoral: „amanter et prudenter“ – „liebevoll und klug“

 Zweite Einsichtsgewinnung:
Sechs Dimensionen des Liebens
(vgl. die „Betrachtung zur Erlangung der Liebe“ im Exerzitienbuch)


 1. Die Liebe mehr in die Werke als in die Worte legen
2. Die Liebe besteht im Mitteilen/Kommunizieren von beiden Seiten
3. Die Liebe besteht im ganzen, personalen Hingegebensein
4. Die Liebe besteht in mystischem Inne-Sein, Inne-Wohnen
5. Die Liebe besteht im Arbeiten-Für, in der Pro-Existenz
6. Die Liebe besteht im Sich-Durchströmen-Lassen durch den Liebes-Geist

Hinweise für die Zeit der Besinnung und des Gebetes
Es genügt, einem oder zwei Hinweisen nachzugehen

  • Bei dem besinnlich-betend bleiben, was mich am meisten berührt hat

  • Den umseitigen Text der „Betrachtung zur Erlangung der Liebe“ langsam durchlesen und bei dem bleiben,
    was mich am meisten angeregt hat

  • Erinnerung an Erfahrungen des Geliebtseins (von Gott, von Menschen) feiern

  • Was heißt „Lieben“ – für mich? Wie kommt es vor in meinem Leben?

  • Wie würde ich den Satz vollenden: „In allem …………….???????????????“

Zum Schluß: Aus den „Briefen von Irgendwo“ – „Und diese Welt heißt WIR“

 

2. Impuls "Die Kunst des Liebens"


Vorbemerkung: Was ist Spiritualität, spirituelles Leben?

Glaubend (hoffend, liebender) Umgang mit Realität (G. Mühlenbrock SJ)
Atmender Glaube. Glaube, der lebt. Die Lebendigkeit des Glaubens
Lebensziel in Lebensstil
Lebensmitte und Lebensmittel
Biblisch: Die Präsenzweise Jesu Christi und die Früchte des Un-Geistes

Ignatianische Spiritualität ist „Geist in Welt“ inkarnatorische Spiritualität
Und das Wort ist Fleisch in der „Mystik des Alltags“
Lebensgestaltung in Christus
Die Botschaft von „Die Kunst des Liebens“ (Erich Fromm“)
 „Vom Kennen zum Können führt nur das Üben“ (O.F. Bollnow)
 „Gewohnheiten sind die Muskeln der Seele“

 Die „besondere Gewissenserforschung“ des Ignatius – Einübung in Lebensgestaltung

Die Rolle der Einübungshilfe in die Lebensgestaltung bei Ignatius
Motivation durch Beispiel aus den „Briefen von Irgendwo“: „Jeden Abend…“

 

Einübungshilfe in Lebensgestaltung (Partikularexamen des Ignatius)

  1. Gibt es etwas in meinem Leben, eine Gewohnheit u.ä., was ich ändern möchte?

  2. Warum handelt es sich?

  3. Wie kann ich dies möglichst konkret und genau formulieren? ……………..

  4. Ist es auch nicht zu viel auf einmal?

  5. Sind die Motivationen dafür einigermaßen stark? (Leidensdruck, Vorfreude)

  6. Will ich einige Wochen dabei bleiben? (ca. 1-2 Wochen)

  7. Male Dir jeden Morgen aus, wie schön es sein wird, wenn Du vorankommst

  8. Bitte Gottes Geist um seine Hilfe

  9. Erinnere Dich öfters tagsüber an Dein Vorhaben mit einem einprägsamen Satz

  10. Schreib jeden Abend ein paar Zeilen, wie es Dir in Deinem Anliegen ging

  11. Erzähle einer Vertrauensperson einmal in der Woche ca. 10 Minuten wie es Dir ging

  12. Lies etwas zu dem Thema, das Dich ermutigt

  13. Belohne Dich gelegentlich und feiere das Gelingen

  14. Überprüfe nach einer Pausenzeit („Latenz“), ob der Vorsatz zur Gewohnheit wurde?

 Impulsfragen für das Gespräch

  • Was ist mir deutlich und zur Einsicht geworden in dieser Zeit der Einkehr?

  • Was hat Fragen in mir geweckt?

  • Könnte das Gehörte und Gesagte im Gespräch etwas für unser Zusammenleben und die Vorbereitung auf den priesterlichen Dienst bedeuten?

  • (Für die persönliche Auswertung:
    Was ist mein Vorsatz, den ich „mit nur geringer Gnade Gottes tun kann?“ (P. Faber)

 

Fenster schließen