Tomislav Matanoviæ – Ein Märtyrer seiner Sendung

(geb.1962 - gest.1995, im Canisianum 1984-1988)
Gerneralvikar Dr. Anto Orlovac, Banja Luka
(im Canisianum: 1969 - 74)

Am 24. November 2001, genau 2289 Tage nach ihrer Entführung durch die lokale Polizei wurden in Prijedor (Diözese Banja Luka in Bosnien und der Herzegowina) der Altkonviktor Mag. Tomislav Matanoviæ und seine Eltern Josip und Bozena begraben. Zwei Tage vorher waren sie in einem Massengrab (in einem Brunnen) unweit von Prijedor gefunden und identifiziert worden. Dadurch wurde die Befürchtung bestätigt, dass sie dem großserbischem Wahn zum Opfer gefallen sind.

Tomislav war zuletzt Pfarrer in seiner Geburtsstadt Prijedor. Am 24. August 1995 wurde er in der Nacht von der örtlichen Polizei aus dem Pfarrhaus verschleppt, verhört und im Elternhaus unter Hausarrest gestellt. Der Pfarrsaal, der als Gottesdienstraum und Caritasmagazin diente, nachdem die Pfarrkirche schon im August 1992 durch Sprengung dem Boden gleichgemacht worden war, wurde geplündert und mit schweren Baumaschinen völlig zerstört.

Obwohl Tomislav und seine Eltern fast einen Monat lang ununterbrochen unter Polizeiwache standen, wurden sie dennoch in der Nacht vom 19. auf 20. September 1995 abgeführt und seitdem fehlte von ihnen jede Spur. Sein Bischof Mons. Dr. Franjo Komarica (selbst auch ein Altkonviktor) versuchte unzählige male herauszubekommen, wo sie sich befänden, doch jedes mal ohne Erfolg. Und gerade am Gedenktag der heiligen Märtyrerin Cäcilia, am 22. November 2001 erfuhren wir, dass die sterblichen Überreste in einem Brunnen gefunden und identifiziert wurden. Nach derzeitigen Erkenntnissen wurden sie noch in der Nacht der Entführung, d.h. kurz nach Mitternacht am 20. September 1995 mit Feuerwaffe ins Genick erschossen und in den Brunnen geworfen. Dies geschah im Herzen Europas am Ende des 20. Jahrhunderts!

Alle drei wurden in einem gemeinsamen Grab begraben. Nicht einmal im Tode wurden sie getrennt! Totenmesse und Beerdigungszeremonie leitete Bischof Komarica von Banja Luka unter zahlreicher Teilnahme von Priestern, Ordensschwestern und anderen Gläubigen. Obwohl Pfarrer Matanoviæ auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht wurde (es war gegen Ende der großserbischen Aggression auf Bosnien und die Herzegowina, vor der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Dayton), wollte er seine Gläubigen nicht verlassen. Zudem war er sich dessen bewusst, dass er niemandem etwas angetan hat. Durch diese Handlungsweise gab er ein helles Beispiel der Treue zu seiner Berufung und Sendung.

Es ist bemerkenswert, dass seine Eltern, sowohl Vater Josip (1923-1995), als auch Mutter Bozena geb. Chaloupka (1922-1995) von Priestern getauft wurden, die im zweiten Weltkrieg ebenso ein Martyrium erlitten haben.

Kurz möchte ich hier noch den Lebensweg von Tomislav festhalten, als Erinnerung für alle Canisianer und die Altkonviktoren, die ihn persönlich kannten. Geboren wurde er als einziges Kind der Familie Matanoviæ am 15. Jänner 1962 in Prijedor. Dort besuchte er die Volksschule und das klassische Gymnasium. Als er sich für den Priesterberuf entschloss, studierte er Theologie in Sarajevo und im Canisianum in Innsbruck, wo er vier Jahre verbrachte (1984 -1988). Er schloss das Studium mit dem Magister der Theologie ab. Im Canisianum wurde er 1987 zum Diakon geweiht. Ein Jahr später, am 24. April 1988, wurde er zum Priester geweiht. In gut sieben Jahren seines Priestertums wirkte er als Pfarrvikar, Pfarrer, Professor und Caritasdirektor in Banja Luka, Sarajevo und Prijedor, seiner letzten Station.

Für die Klärung seines Falles setzte sich sogar Papst Johannes Paul II anlässlich seines Besuches in Sarajevo im April 1997 ein. Im gleichen Jahr wurde in Sarajevo vor einem internationalen Haus für Menschenrechte ein Prozess gegen die sogenannte Republika Srpska (eine serbische Entität innerhalb Bosniens und der Herzegowina). Die erwähnte «serbische Republik» wurde schuldig gesprochen, verantwortlich zu sein für die Entführung der Familie Matanoviæ. Es wurde den Behörden angeordnet, diesen Fall zu klären, doch es geschah vier Jahre lang nichts!

Obwohl wir als Christen auch für Verbrecher beten (das haben wir auch bei der Beerdigung der Opfer getan) und ihnen verzeihen, müsste die internationale Gemeinschaft doch Schuldige finden und gerecht sanktionieren, wenn sie sich nicht mitschuldig für dieses beispiellose Verbrechen machen will. Uns bleibt aber ein strahlendes Beispiel der Treue eines Priesters, eines Altkonviktors des Canisianums und seiner Eltern - ein wahrer Märtyrer unserer Tage.