von
P. Severin Leitner SJ
Einleitung
Wer hat vor zwanzig Jahren von Berufungspastoral gesprochen? Zugegeben: der drastische Rückgang von Priester- und Ordensberufungen war und ist der Motor für das, was wir heute Berufunsgspastoral nennen. Diese Notsituation hat zu einer verstärkten und erweiterten Reflexion auf Berufung und zu einer Vertiefung und Klärung des Verständnisses der Pastoral überhaupt geführt. Es ist nicht als Engführung zu betrachten, wenn das Schlußdokument des Europäischen Kongresses über die Berufungen zum Priestertum und Ordensleben in Europa vom Mai 1997: "Neue Berufungen für ein neues Europa" [NB] die Berufung der Pastoral die Berufungspastoral nennt und sagt: "In diesem Sinne kann man gut sagen, daß die gesamte Pastoral "berufungsorientiert" werden muß... Entweder führt die christliche Pastoral zu dieser Gegenüberstellung vor Gott mit allem, was dies mit sich bringt an Spannungen, Kämpfen, an Flucht oder Verweigerung, aber auch an Frieden und Freude, die mit der Annahme der Gabe verbunden sind, - oder sie verdient diesen Namen nicht." (1) Ich meine, daß letztlich bei aller nötigen Ausfaltung in die verschiedenen Anliegen und Sparten der Pastoral (Familien -, Jugend -, Krankenpastoral) es darum gehen muß, dem Menschen zu helfen, seinen Ruf von Gott her zu vernehmen und auf ihn durch eine persönliche Entscheidung zu antworten. Freilich ist das nichts Neues. Welcher begeisterte und von seinem Weg überzeugte Ordensmensch (Frau oder Mann) oder welcher begeisterte Priester hat nicht von seinem Weg positiv Zeugnis gegeben und damit Berufspastoral betrieben, ohne es so zu nennen?
I. Berufe wecken.
A. Offenheit für die Situation.
Probleme bei der Jugend (Blick nach außen):
Unsere Zeit ist nicht berufungsfreundlich. Ich möchte einige Kennzeichen nennen:
Säkularisierung aller Bereiche unserer Lebenswelt: der Arbeit, der Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, Privatwelt und Öffentlichkeit.
Relativierung aller Werte. Die berühmte europäische Wertestudie hat eindrucksvoll gezeigt, daß ehemals allgemein anerkannte Werte heute großräumig in einem Veränderungs-, wenn nicht in einem Auflösungsprozeß stecken.
Das große Stichwort ist "Erlebnis" und "Erlebnisgesellschaft". Ein Erlebnis wird vom nächsten abgelöst, es ist grundsätzlich austauschbar. Damit hängen Ablenkung durch Reize und der Zwang zusammen, in kurzer Zeit eine große Menge von Informationen zu verarbeiten. Welche Auswirkung hat dies auf Werte wie Treue auf den Willen, Standpunkt zu beziehen, auf die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen? Fähigkeit und Bereitschaft, dauerhafte Bindungen und die entsprechende Verantwortung einzugehen?
Emotionalisierung des Lebens und der Erziehung: Affektivität und Sexualität spielen in allen Lebensbereichten eine wichtige Rolle: die Familie ist dann gelungen, wenn sie gleichsam "Beziehung pur" ist. Die Kinder werden von den Eltern "genossen", nicht unbedingt erzogen.
Die Betonung der Subjektivität und das Verlangen nach Freiheit. Damit hängt die Skepsis gegenüber allem Überkommenen zusammen, gegenüber den Institutionen und Traditionen. Subjektivität gerät in Subjektivismus und Freiheit in Beliebigkeit.
Aber es scheint eine spürbare Gegentendenz zu wachsen:
Wenn durch die Soziologie es vorigen Jahrhunderts (Comte) das Ende der Religion angekündigt worden ist, so ist heute allenthalben nicht das Ende der Religion, sondern geradezu eine Renaissance von Religion zu beobachten, wenn auch weithin in irregeleiteten Formen. Die Skepsis bezieht sich deutlich auf die religiösen Großinstitutionen.
Es ist unter vielen Jugendlichen eine echte Sehnsucht nach Werten spürbar. Die jungen Menschen suchen offensichtlich wieder mehr Anhaltspunkte für ihr Leben. In den großen ökumenischen Treffen von Basel und Graz ist das deutlich geworden (Glaube, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung). Auch die internationale Bewegung von Taizé ist dafür signifikant.
Das Tempo der Erlebnisgesellschaft überfordert die Menschen. Es wächst die Suche nach Orten der Kontinuität, der Sammlung und Ruhe.
Probleme bei der Kirche und ihren Gemeinschaften: "Blick nach innen"
Was strahlt eine Gemeinschaft, (z.B. eine Pfarrgemeinde, ein Seminar, eine Ordensgemeinschaft) aus? (2)
Was sagt eine Gemeinschaft durch das, was sie nicht ausdrücklich sagt?
Die nonverbalen Botschaften in den Gesprächen sind oft Resignation, Enttäuschung und das Zeugnis innerer Konflikte.
Stimmt Lebensanspruch und Lebenspraxis überein? In den evangelischen
Räten, im Lebensstil? Ist die konkrete Lebenspraxis ein gelebter Kommentar, dessen, was die Kirche, die Gemeinschaft eigentlich will? Die Sprache des Lebens versteht jeder!
Wo bleibt die Freude an der Berufung, am gemeinsamen Weg? Nur was selbst brennt, kann anderes entzünden. Wie lebendig sind die Gemeinschaften?
Wo lebt das eigentlich Geistliche in der Kirche, in den Gemeinschaften? Ist da Christus die Mitte und leben wir aus der Dynamik der Freundschaft und Leidenschaft für Christus, oder sind wir nicht schon lange durch andere Interessen besetzt (besessen)? Warum ist das zählbare und meßbare, die Leistung in der Kirche und in den Orden viel wichtiger geworden als die Fruchtbarkeit?
Wenn in einer Familie Kinder kommen, dann bringen sie einiges durcheinander. Sie stören den Lebensrhythmus der Erwachsenen. Das ist auch ihr Recht. Wie ist das in der Kirche, in Gemeinden und Gemeinschaften? Hat die Jugend das Recht, die Kreise ein wenig durcheinanderzubringen und zu stören? Wenn sie das Recht nicht bekommt, dann wandert sie aus oder stirbt oder vergreist frühzeitig.
Vielleicht spielt hier auch der Heilige Geist eine wichtige Rolle. Wir müssen die Frage zulassen, welche Botschaft uns Gott gibt, wenn heute das beste Bemühen von Ordensgemeinschaften, Priestern und Gemeinden, in diesem Punkt erfolglos bleibt und keine Berufe mehr zu wecken, junge Menschen mit ihren Fragen nicht mehr zu überzeugen vermag. Kann nicht vielleicht genau darin eine Botschaft von Gott liegen: Will er uns auf einen neuen Weg führen? Will er uns zu einer Neubesinnung führen, auf unser christlich - geistliches Fundament und uns auf die Weite und Fülle der geistgeschenkten Charismen und Dienste aufmerksam machen, auch auf neue Formen und Möglichkeiten? Wir müssen Gott erlauben neu zu wirken und neues zu schaffen, auch neue Formen der Nachfolge, neue Wege, Berufung zu leben.
In dem Moment, wo man einmal solche Fragen kommen läßt, fühlt man sich meist ratlos und ohnmächtig. Dann aber spürten wir die Herausforderung der Promotio vocationum "nach innen". "Die Not des Fehlens geistlicher Berufungen ist vielmehr die Not der jetzt in geistlichen Berufen Lebenden." (Josef Maureder SJ)
Es erhebt sich die drängende Frage, was man tun soll, welche Aktionen man setzen kann, um an die jungen Menschen heranzukommen. Und schon sind wir mitten in der Symptombehandlung und vergessen die Wurzeln des Übel. Wir übermalen einen häßlich schwarzen Mauerfleck weiß und reparieren nicht das Loch in der Wasserleitung, einige Zentimeter unter dem Putz. Es bleibt kein anderer Weg, als in unsere gesellschaftliche Welt hineinzugehen und sie in Redlichkeit, Offenheit aber auch in der Rückbindung an Gott und Christus zu gestalten. (3) Das Ausmaß, in dem wir uns der Welt aussetzen, muß dem Ausmaß der Hinwendung zu Gott entsprechen.
B. Umfeld der Berufe: Wo und wie werden Berufungen geweckt?
Die Gemeinden: Wir müssen gewiß einen Weg finden, die Kirche in dem, was sie will, wieder deutlicher darzustellen. Wir haben als Kirche heute mehr als je zuvor eine wichtige Aufgabe: inmitten der verplanten und vernetzten, abhängigen Welt, mit ihrer Überforderung und Angst die Botschaft der Hoffnung und Freiheit zu verkünden und zu leben. Nicht das "aggiornamento" ist das Problem, sondern die zu viele Anpassung "an die Weltzeit" (Rö 12, 2). Ich denke, daß die Menschen nach sinnvollen Alternativen Ausschau halten. Die Kirche hat immer, aber heute ganz besonders ein Korrektiv für die bürgerliche und industrielle Welt zu sein, so wie die Orden innerhalb der Kirche ein Korrektiv und ein "produktives Vorbild" Nachfolge Christi zu leben, sein sollen. (4) Die Kirche und ihre Gemeinschaften zeigen gegenüber den jeweils gängigen Denk- und Urteilsweisen, die andere Seite, die Perspektive Jesu und des Reiches Gottes auf. Jugendliche sollen in ihrem Suchen in der Kirche einen Ort finden, wo ihr Fragen Widerhall findet.
Konzentration auf Christus. Durch die Gnade der Taufe sind wir gerufen und befähigt, an der Heilssendung Christi in die Welt teilzunehmen. Durch die Gnade finden wir zu tragfähigen, in der Botschaft des Evangeliums und in der Tradition verankerten und an der Person Christi sich orientierenden Lebensmodellen. So können wir vielleicht eine Antwort geben auf die fragende Suche vieler junger Menschen nach Sinn, nach Gemeinschaft, nach Leben, nach Einfachheit und Echtheit, nach Gott.
Evangelische Räte.
Das Leben in den evangelischen Räten stellt eine große Chance für die Berufungspastoral dar: es ist ein sichtbares Zeugnis, das Frauen und Männer für das Reich Gottes geben. Denn die evangelischen Räte greifen tief ein in menschlich relevante Wirklichkeiten (ökonomische Dimension, die Dimension der Beziehungen und der Sexualität, Dimension der Freiheit und Selbstbestimmung).
Die Armut: Das tiefste und stärkste Motiv für den evangelischen Rat der Armut ist das Vertrauen auf Gott und die Freiheit vom Zwang des Habens und vom Zwang der Rechtfertigung durch äußeren Reichtum. So wird der, der die von Jesus so sehr gewünschte Armut und die Solidarität mit den Armen lebt, zu einem starken Zeugnis für die Kraft des Vertrauens auf Gott, für das Fundament der Liebe Gottes, auf das der Mensch bauen kann und für die innere Freiheit.
Die ehelose Keuschheit: Sie ist Zeugnis und Zeichen der Hingabe an Gott und die Menschen. Ehelos zu leben heißt nicht beziehungslos zu leben sondern bedeutet in intensiven Beziehungen apostolischer Fruchtbarkeit zu leben, die den Menschen nicht abhängig machen oder festhalten wollen, sondern ihn befreien zu seinem eigenen Weg. (5) Ehelos zu leben ist auch das Zeugnis eines Menschen, daß die letzte Erfüllung der Sehnsucht nach Glück und Gemeinschaft nicht in menschlicher Liebe, sondern in Gott und in der Hingabe an die Menschen gesucht wird.
Gehorsam: Dieser evangelische Rat wird oft verwechselt mit Abhängigkeit und Unfreiheit. Der evangelische Rat des Gehorsams ist glaubende und vertrauende Hingabe an die Sendung durch Gott, vermittelt durch die Kirche, zum Wohl der Menschen. Gehorsam hat zur Voraussetzung menschliche Reife und Freiheit. Er findet seinen Ausdruck in einer dankbaren Hingabe an Gott und die Menschen.
Alle drei evangelischen Räte sind Zeichen und Zeugnis von einer "ganz anderen" Lebenswirklichkeit und einem "ganz anderen" Lebensweg. Das, worauf sie verweisen und was sie bezeugen, bewirken sie: die wachsende Angleichung an Christus. Ein Zeichen erfüllt seine performative Funktion dann, wenn es gelesen, verstanden, bedacht wird. Ich bin ganz überzeugt, daß hier die eigentliche Kraft der Orden und der Kirche überhaupt liegt.
Feier der Erinnerung des Herrn und Gebet:
In der Feier der Eucharistie, der Erinnerung an die Erlösungstat Christi in Tod und Auferstehung und im persönlichen Gebet kommt der Glaube einer Gemeinde am tiefsten und reinsten zum Ausdruck. Dies ist gewiß der Ort, wo der junge Mensch am deutlichsten den Ruf des Herrn vernehmen kann. Vielleicht nicht gleich am Anfang, aber irgendwann wird seine Sehnsucht im persönlichen Gebet und in der Gedächtnisfeier dessen, was der Herr für die Menschen getan hat ("Proexistenz") (6), sich zur Antwort verdichten, dem Herrn zu folgen und sein Leben hinzugeben "für" Ihn und die Menschen. Die Sehnsucht nach Nachfolge, das Streben nach Werten und das Arbeiten an einem Lebensentwurf gewinnt so ein Woraufhin, es gewinnt Gestalt und Antlitz: das Antlitz des Herrn. [Der Getaufte wird in der Nachfolge zum "alter Christus" wie Augustinus sagt.] Das sind Orte, wo Berufungen geweckt werden können.
Was ist Berufung? (7)
Im Alten und Neuen Testament gibt es zahlreiche Berufungsgeschichten. Sie sind der Niederschlag der unerhörten Erfahrung, daß ein Mensch in seiner Lebenswelt von Gott angesprochen, herausgerufen und auf einen Weg gestellt wird. Bei den Propheten und bei Paulus sind immer beide Dimensionen im Blick, die individuelle und die kollektive Dimension von Berufung: der einzelne Mensch, aber auch das ganze Volk ist gerufen, Gottes besonderes Eigentum, bzw. Kirche und Volk Gottes, die in Christus erneuerte Menschheit, Leib Christi zu sein und einen Weg zu gehen. Bei den Evangelisten tritt der kollektive Aspekt hinter dem individuellen zurück, allerdings sind auch dort die berufenen Apostel ganz im Blick auf die Jüngerschaft im Glauben und im Dienst an der Gemeinde zu sehen. Diese Dimensionen sind in jeder Berufung wichtig: so sehr der Herr die Jüngerin, den Jünger ganz persönlich ruft und anspricht, so ruft er doch immer aus der Kirche und für die Kirche. Die Kirche ist der Boden, auf dem Berufung wächst und sich entfaltet.
Gemeinsame Merkmale der Berufungsgeschichten in der Hl. Schrift:
Durch die Berufung spricht Gott einen Menschen an. Sie ist Tat Gottes.
Der Mensch ist frei, auf den Anruf Gottes zu antworten.
Der Ruf trifft den Menschen mitten in seiner konkreten Lebenswelt (Elischa, Jeremia, Amos, Synoptiker, Paulus u.a.).
Der Ruf Gottes trifft ganz normale Menschen. Gott hat kein elitäres Auswahlprinzip.
Der / die Berufene wächst im Mitgehen mit dem Herrn und in seiner Gegenwart.
Die Berufung wird vom Berufenen als Befreiung zu sich selbst und zum Dienst, zum eigentlichen Leben empfunden.
Die Kraft und die Freude der Berufung besteht in der totalen Hinordnung auf das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, in der totalen Hinordnung auf Christus.
Kriterien von Berufung:
P. Friedrich Wulf hat in einem wunderbaren Artikel einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Kriterienfrage in der Beurteilung von Berufung und Eignung zum kirchlichen Dienst gegeben. (8) Er zeigt, daß von den Anfängen der Kirche viel Sorgfalt auf die Auswahl geeigneter Kandidaten aufgewandt worden ist.
Das Abschlußdokument zum europäischen Kongreß über geistliche Berufe "Neue Berufe für ein neues Europa" gibt sehr brauchbare Kriterien und Perspektiven an für Auswahl, Beobachtung und Begleitung von Kandidaten, nicht nur für das Priestertum und Ordensleben sondern überhaupt für Leute, in einem kirchlichen Dienst. (9)
Es unterscheidet vier Gruppen von Kriterien:
Offensein für das Geheimnis. Die Offenheit für das
die subjektive Sicherheit für die Berufung doch dem Geheimnis Raum gibt. Wenn einer mit Entwicklung und Wachstum rechnet und daher das Vertrauen auf Gottes Führung braucht. Das ist das Gegenteil von Starrheit und Selbstschutz (Besserwisserei).
der Kandidat in der Selbstbeurteilung zurückhaltend und besonnen ist, daher auf Hoffnung hin entscheidet und mit der Erwartung von Hilfe durch Begleiter. Das ist das Gegenteil von Zur Schau - stellen der eigenen Fähigkeiten.
der Kandidat die Fähigkeit besitzt, auch die widersprüchlichen (positiven und negativen) Seiten seiner Persönlichkeit anzunehmen und zu integrieren. Er ist sich seiner Ideale und ihrer Widersprüche ebenso bewußt wie der guten und weniger guten Seiten des Berufsweges.
der Kandidat seine Berufung nicht in außergewöhnlichen Zeichen durch Gott, sondern in der ganz gewöhnlichen alltäglichen Geschichte erkennt. Das Gewöhnliche und Vertraute ist für ihn der Ort der Wahrnehmung der Präsenz Gottes.
wenn seine Grundhaltung die Dankbarkeit ist. Sie führt ihn zur Erkenntnis, daß das ganze Leben aus der Liebe Gottes entspringt. Auf dem Boden der Dankbarkeit entsteht authentische Berufung. Das Gegenteil wäre der Held, der irgendwann Opfer des "Kleinmutes" aller anderen ist. Es mangelt ihm auch an Humor.
Identität der Berufung:
Die Berufsentscheidung zeigt viel von der eigenen Identität und offenbart den Willen zur Verwirklichung mehr des idealen Ich als des aktualen. Es ist zu achten, daß die Berufsentscheidung einer Person hilft, zu einer positiven und stabilen Einstellung gegenüber dem konkreten Ich, dem aktualen Ich zu gelangen. Daß also der Entwicklungsweg in Richtung größerer Liebe zur konkreten Wirklichkeit geht.
Woher bezieht ein Kandidat die Selbstachtung (positive Identifikation): von der körperlichen Ebene (Leistung, Kraft, Schönheit) oder von der psychologischen Ebene (Begabung, Fähigkeiten). Er muß durchfinden zur Annahme und Wertschätzung seines Seins als eines Geschenkes der Liebe Gottes.
Berufung trifft den Menschen von außen. Er antwortet ihr. Beginnt der Ruf ihn zu verändern, gibt er Vorstellungen auf und gleicht er sich dem Ruf und dem Rufenden an? Oder kompensiert und verdeckt er durch den Ruf negative Identität ("Lücken") und instrumentalisiert so die Berufung? (10)
Berufung muß vollständig sein. Ist der Kandidat bereit, alle Seiten seines Lebens einzubeziehen: Herz (Gefühle), Geist (Verstand), Willen (Pläne)? Oder nimmt er doch faktisch (meist auf der Ebene der Praxis) bestimmte Bereiche aus?
Reife Berufung erlebt sich als Geschenk und Aufgabe (zum Dienst) und nicht als Möglichkeit der eigenen Vervollkommnung oder als Zwang zu einer großen Leistung auf die die Menschen warten. Reife Berufung ist daher verbunden mit einem gewissen Gefühl der Überforderung und dem Bewußtsein ein Risiko einzugehen. Kandidat und Begleitender stellen sich die Frage, welchen Aspekt der Ähnlichkeit mit Christus darf der Berufene ausdrücken? Welchen Namen hat Gott ihm gegeben? So wird auf diesem Weg der Selbstfindung des Kandidaten auch Gott immer mehr zur Mitte seines Lebens.
Lebensentwurf aus dem Glauben:
Hier geht es um die Art des Verhältnisses von Vergangenheit und Gegenwart.
Ist der Kandidat mit seiner Vergangenheit versöhnt? Kann er auch das unvermeidliche Negative seiner Vergangenheit als Geschenk annehmen? Ist er mit den wichtigen Menschen seines Lebens versöhnt (Eltern, Geschwister...) oder ist er Opfer anderer?
Wie erinnert er sich an seine Lebensgeschichte? Ist seine Vergangenheit Grund zur Klage oder zum Dank? Fühlt er sich bewußt oder unbewußt als Opfer? Gibt es Schuldzuweisungen?
Welche Einstellung hat ein junger Mensch gegenüber den großen und kleinen Träumen seiner Vergangenheit? Ist er fähig, sein Leben und seine Möglichkeiten (auch die nicht gelebten!) anzunehmen, kennenzulernen und zu integrieren? Humor?
Lernbereitschaft in der Berufung:
Ist der Kandidat lernbereit, innerlich frei, sich führen und helfen zu lassen? Ist er offen, schwierige Teile in seinem Wesen anzuschauen und zu verändern?
Hat sich der Kandidat etwas Jugendliches bewahrt? Kind- und Jugendlich - Sein als existentielle Einstellung hat nichts zu tun mit Infantilität. Sie bedeutet offen zu sein für Neues, Bereitschaft, sein Bestes zu geben, Unternehmungslust. Dazu gehört auch Beharrlichkeit in den Plänen (zum Unterschied von Beharren auf bestimmten Positionen).
Der affektiv sexuelle Bereich: Hier muß einer die Erfahrung gemacht haben, geliebt zu sein, von Gott und von den Menschen und selbst lieben zu können. Er braucht die Fähigkeit allein zu sein, selbständig zu sein, zu herzlicher Freundschaft. Welche sozialen Beziehungen hat er gelebt?
Mängel im affektiv sexuellen Bereich: Wie zentral ist einem Menschen dieser Bereich. Zieht er ihn ganz in Bann oder lebt er ihn in einer unbelasteten und unbelastenden Weise? Eine Aufnahme in das Seminar oder in einen Orden ist an drei Bedingungen zu knüpfen: (1) daß sich der Kandidat der Wurzeln seines Problems bewußt ist, das oft gar kein Sexuelles ist. (2) daß der junge Mensch seine Schwäche als Fremdkörper erfährt, der eigentlich nicht zu seinem Wesen paßt, das sich mit seinem Ich-Ideal reibt. (3) daß er imstande oder gewillt ist zu lernen, seine Schwäche zu kontrollieren und sie langsam zu überwinden. (11)
Charakteristische Züge der Berufungsbegleitung:
Gemeinde als Boden für das Wachstum von Berufungen: (12)
Die Entstehung von Berufungen wird durch ein bestimmtes Umfeld gefördert oder auch behindert. Der primäre Ort der Entstehung von Berufungen ist die Familie. Dort wird Berufung grundgelegt. Dann aber steht die Kirche als die Gemeinschaft der Getauften. Die kirchliche Gemeinschaft hat selbst eine zutiefst berufungsbezogene Struktur: sie ist Geschenk des Hl. Geistes, sie verwirklicht sich in der Hinkehr zu Gott und in Sendung. Sie ist Zeichen für Christus und zugleich Weg zu Ihm: insofern ist sie sakramental, Zeichen und Werkzeug für die Vereinigung mit Gott und Zeichen und Werkzeug für die Einheit der Menschen. (13) Sie ist der Ort der Sendung durch das Wort des Herrn in die Welt und in die Auseinandersetzung mit ihr.
Die Kirche als ganze hat eine Sendung. Innerhalb dieser großen allgemeinen Berufung und Sendung der Kirche und auf diese bezogen, erstehen die speziellen, individuellen Berufungen. Beide bedingen, tragen und bestärken einander. In den Gemeinden und Gemeinschaften der Kirche können in einem Klima des Glaubens, des Gebetes und des sakramentalen Lebens Berufe geweckt werden und wachsen. Die Bewegung geht vom Objektiven zum Subjektiven, vom Allgemeinen zum Besonderen. Der großkirchliche Raum und sein Klima ist von entscheidender Bedeutung für die Erfahrung im Kleinen: Was der einzelne Suchende im kleinen an Katholizität, Kirchlichkeit, Herausforderung im Glauben an Gott erfährt, muß sich widerspiegeln und fortsetzen auf der objektiven Eben. Was auf der großen Ebene sich atmosphärisch ereignet, spielt hinein in die kleineren Einheiten.
Berufungspastoral ist universal und permanent.
Berufungspastoral wendet sich nicht nur an wenige bevorzugte Personen, von denen eventuell eine positive Antwort erhofft werden kann, sondern zunächst an alle. Sie ist Ziel der Gesamtpastoral. Jeder Mensch hat eine Berufung von Gott.
Berufungspastoral erschöpft sich nicht in punktuellen Aktionen nach dem Gießkannenprinzip. Berufungspastoral ist eine Pastoral des langen Weges und des langen Atems. (14) Wir müssen damit rechnen, daß eine Berufung in einem jungen Menschen einen langen Weg der Entwicklung und Auseinandersetzung braucht.
Berufungspastoral ist person- und gemeinschaftsbezogen.
Der bevorzugte Ort der Berufungspastoral ist gewiß die Gemeinschaft in ihren verschiedenen Ebenen: Pfarren, Gruppen, Bewegungen, Diözesen, Orden. Hier drinnen könnten "Biotope" geistlichen und pastoralen Lebens entstehen. Wie schaut die Pastoral in einer Pfarre aus, wenn (z.B.) ihr gestaltender Leitgedanke der Weg der Gemeinde ist, der in der Taufe grundgelegt wurde und sich in der wachsenden Berufung und Angleichung an Christus (in Hinwendung zu den Menschen) vollendet? Dieser Leitgedanke könnte über allen Sparten des pastoralen Dienstes stehen: Jugend-, Erwachsenen-, Familien-, Krankenpastoral.
Das Kirchenjahr, ist eine einzige Glaubensschule! (15) Es könnte den Leitfaden abgeben, nach dem Bild Jesu zu wachsen.
Die Diözesanseminare sind bevorzuge Gemeinschaften und Orte des Glaubenswachstums, aber auch der Hoffnung für die Zukunft der Diözesen, weil dort sich Menschen auf den Weg der Formung durch Christus einlassen.
Promotores vocationum: Jeder christ hat die Aufgabe, Berufe zu fördern.
Ich komme immer mehr zur Überzeugung, daß es für diese Arbeit nicht nur Begabung sondern auch kompetente Vorbereitung braucht. Es müssen also Leute wirklich ausgebildet werden, die fähig sind einen Weg unter geistlicher, theologischer und psychologischer Rücksicht zu begleiten.
Wege der Berufspastoral: (16)
Vier Etappen beschreibt das Schlußdokument des Kongresses "Neue Berufungen für ein neues Europa". Sie entsprechen vier Dimensionen des Glaubens. Sie signalisieren vier voneinander abhebbare Situationen eines Glaubensvollzugs, andererseits aber stehen sie in einer organischen Aufeinanderfolge, so daß sie einem Reifungs- und Vertiefungsweg entsprechen. Diesen Weg in ein Lernmodell zu fassen, könnte Aufgabe einer eigenen Arbeitsgruppe sein, z.B. in einem Dekanat, in der diözesanen Jugendarbeit...
Liturgie und Gebet.
Die Feier der Liturgie ist Ursprung und Nahrung jeder Berufung in der Kirche. In der Liturgie begehen wir als Gemeinde die Erinnerung an das zentrale Heilsereignis in Jesus Christus. Es ist Zeichen der Einheit, Quelle der Kraft für die Glaubenden und Orientierung auf die eine Mitte hin.
Das Gebet ist nicht nur Ausdruck der Offenheit und des Vertrauens auf Gott, sondern auch Erneuerung der Freundschaft und der Beziehung zu Jesus Christus.
Liturgie und Gebet sind das Herz der Berufspastoral. Sie öffnen den Blick für Gott und erneuern die Sehnsucht, am tiefsten Anliegen Jesu teilzunehmen und mitzuarbeiten an seinem Erlösungswerk.
[Schulen des Gebetes; Glaubensschulen; Bibelschulen.]
Kirchliche Gemeinschaft.
Das Gebet und die Feier der Liturgie führen in die kirchliche Gemeinschaft hinein und wachsen aus ihr. Das Volk Gottes stellt den Raum des Dialogs mit Gott und des Dialogs unter den Menschen dar. Die Kirche bildet den Raum des Dienstes der Menschen füreinander, den Raum gegenseitiger Hilfe und Zuwendung. So wächst ein junger Mensch, der den Ruf Jesu im Gebet vernimmt und Freude daran findet hinein in den Raum der Gemeinschaft und des Dienstes. Kirche wird zur Heimat für den Ruf des Herrn.
Dienst der Liebe.
Aus der Erfahrung des Gebetes und der Gemeinschaft erwächst die Sehnsucht, für andere dazusein. Der Dienst am Nächsten gehört wesentlich zum Weg des Wachstums einer Berufung dazu. Er ist Ausdruck und Zeichen der Angleichung an Christus, dessen Wesen es ist, zu sein, "wie einer, der dient" (Lk 22, 27). Die Bereitschaft zum Dienst besonders zum niedrigen und die Freude daran ist eines der bedeutendsten Merkmale einer guten Berufung. [Hat einer so etwas wie einen apostolischen drive?] Ein Formungsziel in der Berufspastoral; "Mensch für andere" zu sein.
Zeugnis und Verkündigung
Im Ausmaß als ein junger Mensch diesen Weg des Gebetes, der kirchlichen Gemeinschaft, des Einsatzes für Menschen geht, wächst auch die Sehnsucht, tiefer einzudringen in das Geheimnis dessen, für den und durch den er das alles tut: in das Geheimnis Gottes. In diesem Ausmaß wächst auch die Identifikation mit dem Weg, die Sehnsucht ihn mit anderen Menschen zu teilen und sich im gegenseitigen Zeugnis zu stärken.
Entscheidung
Der geistliche Begleiter wird dem jungen Menschen zur gegebenen Zeit raten, das, was er bisher getan und gesucht hat, betend in eine Entscheidung zu fassen, eventuell im Rahmen von Entscheidungsexerzitien. Das Ziel von Exerzitien ist, "sein Leben zu ordnen" (17), tief einzudringen in das Geheimnis der Freundschaft mit Christus in der dienenden Nachfolge.
Dies ist der gewöhnliche Weg einer gesunden Berufung, wo der Begleitende achten muß, daß keine der Stufen fehlt. Die einzelnen Stufen signalisieren auch Entwicklungs- und Lernschritte. Gleichzeitig ist dies ein Glaubensweg, der in seiner organischen Aufeinanderfolge und in seinem inneren Aufbau, seiner natürlichen Kontinuität und Dauer, ebenso in seiner Anpassungsfähigkeit an das Kirchenjahr eine ganzheitliche persönliche Reifung gewährleistet. Jeder, der in der Berufspastoral tätig ist, macht die Erfahrung, daß der junge Mensch einen weiten Weg zurückzulegen hat von dem Punkt an, wo er zum ersten Mal den Wunsch äußert, eine ausdrückliche Form der Christusnachfolge zu wählen bis zu dem Augenblick wo er zu einem Verantwortlichen sagt: Ich will jetzt beginnen.
Begleitung einer sich entwickelnden Berufung.
Der Herr und die beiden Jünger unterwegs von Jerusalem nach Emmaus sind ein wunderbares Beispiel für die Begleitsituation in der Berufspastoral (Lk 24, 13 16). Das erste ist, daß sich der Herr den beiden traurigen Jüngern an die Seite stellt. Der menschliche Begleiter ist immer nur "Instrument" das muß man als Begleiter immer festhalten! in der Hand des eigentlichen Begleiters, des Hl. Geistes. Wer das vergißt, bindet in einer solchen Situation einen Menschen an sich und behindert somit die Freiheit.
Der Weg, den ein begleiteter Mensch geht, ist ein Weg des Wachstums in der eigenen Berufung und in der Freiheit in Christus.
Die Hauptaufgabe des Begleiters ist es, dem Begleiteten die Augen auf Gott und seinen Anruf zu öffnen und dieses Ziel lebendig zuhalten. (18) Wenn der junge Mensch dieses Ziel aus den Augen verliert, kommt der Weg in Gefahr. Er beginnt um sich selbst zu kreisen. Der Begleiterdienst orientiert sich an Johannes dem Täufer, der großen Verweisgestalt. Er muß zurücktreten hinter den Dialog des suchenden Menschen mit dem Herrn. Er darf diesen Dialog nicht verstellen. (19) Nur so kann die Faszination und die Liebe zum Herrn wachsen. So auch die Freiheit und die Kraft des Glaubens. Alles andere führt in Abhängigkeit und Unfreiheit.
Durch diesen Weg wächst beim jungen Menschen die Kenntnis Jesu und die Selbsterkenntnis.
Indem er den Weg der Nachfolge geht, findet er auch hin zu den eigenen Lebensquellen (Joh 4). Einen Jugendlichen auf seinem Berufungsweg begleiten heißt, die verschiedenen Orte und Momente, die vielen Herausforderungen und Erwartungen, die hellen und dunklen, die klaren und verworrenen Seiten geduldig anschauen und so langsam Licht in die Seele bringen. Der Weg zu den eigenen Lebensquellen ist oft weit und Wegstücke müssen oft wiederholt werden. Der Begleiter muß in diesen Situationen den Menschen Mut machen zu Ausdauer und Geduld. Er geht den Weg hörend mit, hält Fragen fest, entwirrt manche Geschehnisse, macht auf Punkte in seiner Berufungsgeschichte aufmerksam, die der junge Mensch übersehen würde oder denen er ausweichen möchte. So wächst innere Klarheit, so lösen sich Ängste auf und wächst die Freiheit für die Hingabe an den Ruf, den er schon lange im Herzen trägt.
Begleiten bedeutet Teilen und Mitteilen des Berufenseins.
Einen Berufungsweg begleiten heißt den Glauben und die Berufung teilen. Begleiten bedeutet nicht ein distanziertes an einem analytischen Vorgang sich orientierendes Verhalten, noch weniger aber Manipulation, Beschönigung und Verharmlosung. Daher ist der rechte Gesprächston in der Berufungsbegleitung nicht der belehrende oder mahnende, nicht der freundschaftliche, sich fraternisierende oder manipulierende, sondern die confessio fidei, das Bekennen und Teilen des Glaubens: das Ausgerichtetsein auf den Herrn. Sein eigenes Erwähltsein durch Gott steht beim Begleiter unausgesprochen in der Mitte. Er muß selbst frei sein für diesen neuen Berufungsweg, den Gott jetzt mit einem Menschen geht, und dessen Zeuge er jetzt ist. Überhaupt ist alle geistliche Begleitung, die diesen Namen wirklich verdient, Zeugenschaft des Wirkens Gottes im Herzen des Menschen.
Da drinnen ist eine deutlich spürbare Spannung: junge Menschen sind durchaus interessiert am Lebenszeugnis und an den Erfahrungen anderer Menschen, aber gemeinsam (Begleiter und Begleiteter) müssen sie spüren, wo die Gefahr der Übernahme fremder Identität beginnt und damit die Freiheit beim Begleiteten endet. Aus diesem Grund ist beim Begleiter im Interesse des gemeinsamen Ziels, nämlich die Freiheit des Begleiteten in Christus größte Zurückhaltung und Knappheit der eigenen Mitteilung geboten.
Anmerkungen:
(1) NB 63.
(2) Vgl. Gerd Heinemann, Priesterausbildung zwischen Tradition und Moderne. In: StZ 122 (1997) 759 769. (3) D. Bonhoeffers,: "(Der Christ) muß also wirklich in der gottlosen Welt leben und darf nicht den Versuch machen, ihre Gottlosigkeit irgendwie religiös zu verdecken, zu verklären; er muß "weltlich" leben und nimmt eben darin an dem Leiden Gottes teil; ...Christsein heißt nicht in einer bestimmten Weise religiös sein, auf Grund irgendeiner Methodik etwas aus sich machen (einen Sünder, Büßer oder einen Heiligen), sondern es heißt Menschsein, nicht einen Menschentypus, sondern den Menschen schafft Christus in uns. Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben." Widerstand und Ergebung, 1951, 244. (4) Vgl. J. B. Metz, Zeit der Orden. Herder 1977. 9 f.; vgl. N. Lohfink, Kirchenträume. Reden gegen den Trend. Freiburg 1982; M. Kehl, Wohin geht die Kirche? Herder 1996; Stenger u.a. Vgl. R. Spaemann, Die Existenz des Priesters: eine Provokation in der modernen Welt (pwb Sonderdrucke 18), Freiburg, (= IKaZ [1980] 481 500): "Mir scheint es in dieser Situation sehr wichtig zu sein, daß der Priester Klarheit gewinnt über das Phänomen jener Zivilisation, in der er offensichtlich einen Fremdkörper darstellt... Wieso sind eigentlich wir die, die sich befragen lassen müssen, ob wir bestehen können vor dem modernen Bewußtsein? Haben wir nicht vielleicht die Aufgabe, das moderne Bewußtsein darauf zu befragen, ob es bestehen kann vor Christus?" Vgl. auch H. Schürmann, Im Knechtsdienst Christi. Priesterliche Lebensform. Herder1985 S. 25 spricht von der großen Bedeutsamkeit der eschatologisch-alternativen Lebensweise der Priester und Ordensgemeinschaften. (5) Vgl. H. Stenger, Kompetenz und Identität. S. 104. (6) H. Schürmann, spricht von der "Proexistenz" als der exemplarischen Seinsweise Jesu für alle Getauften u.a. in seinem Werk "Jesu ureigener Tod" Exegetische Besinnungen und Ausblick. Freiburg 1975. (7) Fischer G. / Hasitschka M., Auf dein Wort hin. Berufung und Nachfolge in der Bibel. Innsbruck 1995. (8) Friedrich Wulf, Kriterien der Eignung. Ein geschichtlicher Überblick. In: H. Stenger (Hg.), Eignung für die Berufe der Kirche. 11 30. (9) In "Pastores dabo vobis", Nr. 11 macht Papst Johannes Paul II. eine wichtige Unterscheidungsaussage: "Die Kenntnis der Natur des Glaubens und der Sendung des priesterlichen Dienstamtes ist unverzichtbare Voraussetzung und gleichzeitig sicherste Führerin und stärkste Anregung, um in der Kirche eine Pastoral der Förderung und Erkennung von Priesterberufen zu entfalten und die zum Weiheamt Berufenen auszubilden." (10) Vgl. Kl. Schaupp, Eignung und Neigung. Hilfen zur Unterscheidung der Beweggründe. In. H.Stenger, Eignung für die Berufe der Kirche. S. 207 ff: Negative Konsistenzen. (11) Eine andere Kriteriologie könnte sein: 1. Allgemein menschliches Auftreten: Ist ein Kandidat als Persönlichkeit faßbar? Ist da eine Identität vor mir oder ein Schatten? Zeigt er ein Profil, welches? 2. Religiös - spirituelle Entwicklung: Reife im Glauben; Ansätze eines persönlichen Gebetes? Auffälligkeiten im Religiösen? Einstellung zur Kirche. 3. Psychologische Reife: Herkunft und Elternhaus; Selbständigkeit; Abhängigkeiten von Mitteln, von Menschen? Beziehungen? Teilnahme an Gruppen, Auffälligkeiten? 4. Begabungen: Hat er persönliche kreative Ausdrucksmöglichkeiten? Team- und Kooperationsfähigkeit? Wo ist er "stark"? Vgl. zur Frage der Kriteriologie: Kl. Schaupp, Eignung und Neigung. Hilfen zur Unterscheidung der Beweggründe. In: H. Stenger, Eignung für die Berufe der Kirche. 195 240. (12) NB S. 44 (13) Lumen Gentium Nr. 1 (14) NB 80 (15) NB 79 (16) NB 70 (17) Geistliche Übungen Nr. 21 (18) Barry W. A. Connolly W. J., Brennpunkt: Gotteserfahrung im Gebet. Die Praxis der geistlichen Begleitung. Leipzig 1992. (19) Geistliche Übungen Nr., 15